Wenn wir uns heute als einen Teil der Freien Evangelischen Gemeinden (FEG Schweiz) verstehen, so ist das nur einer der letzten wichtigen Entwicklungsschritte in der langen Geschichte unserer Gemeinde.

Der Aufbruch

Unsere Wurzeln reichen bis in die ersten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts zurück. Am 4. Juni 1716 wurde der Schulmeister Peter Weisler vor der Landessynode angeklagt, weil er mehrfach nicht zum Abendmahl erschienen sei. Weisler lehnte sich als Gründer und Leiter der pietistischen Versammlungen von Riehen gegen die starre, von der Regierung diktierte „Rechtgläubigkeit“ auf. Der Pietismus – eine Erneuerungsbewegung der reformierten Kirche – hatte mit ihm Riehen erreicht. Die Hinterfragung des von der Obrigkeit diktierten Glaubens anhand der Bibel löste viele Konflikte mit den Pfarrherren, der Landessynode und der Regierung aus. Weisler verlor seine Stelle als Lehrer. Erst 1754 erlaubte die Basler Regierung private Erbauung ausserhalb der offiziellen Gottesdienste, das heisst pietistische Versammlungen. Dank dieses Dekrets entwickelte sich der Riehener Pietismus innerhalb der Landeskirche weiter. Aber bis Ende des 18. Jahrhunderts gab es immer wieder Klagen und Verurteilungen.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es ruhig um die Riehener Pietisten. Ausgelöst durch die 1848 in der neuen Bundesverfassung verankerte Glaubensfreiheit fand in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts ein geistlicher Aufbruch statt. Wesentlichen Anteil hatten die von Christian Friedrich Spitteler (1782 – 1867) gegründeten christlichen Werke. Im Zusammenhang mit den Riehener Pietisten ist vor allem die 1840 gegründete Pilgermission St. Chrischona zu erwähnen. Sie übte bald einmal einen grossen und befruchtenden Einfluss aus. Die wachsende Riehener Versammlung musste aus Platzgründen immer wieder neue Treffpunkte suchen. So trafen sie sich in Wohnstuben verschiedener Glaubensgeschwister, im Schulhaus, im Spital. Der Fabrikant Theodor Sarasin-Bischoff (1838 – 1909) stellte den Billardsaal in seinem Haus (heutige Musikschule) zur Verfügung. Er war ein grossherziger Gönner in geistlichen wie auch in materiellen Belangen. Um diese Zeit wurden auch viele christliche Vereine gegründet, so z.B. der von Lehrer Baumann 1875 gegründete „Männerverein“, der später zum „Männer- und Jünglingsverein“ wurde und sich schliesslich 1905, kurz nach Baumanns Tod, in „Christlicher Verein junger Männer, CVJM“ umbenannte. Weitere Vereinsgründungen betrafen die Riehener Sektion des Blauen Kreuzes, sowie Hoffnungsbund, Jungfrauenverein und Christliche Gemeinschaft.

Von Hausversammlungen zur Gemeinschaft

1911 zog Jakob Vetter (Gründer der Deutschen Zeltmission) nach Riehen. Er kannte die Gemeinschaft schon aus seiner Studienzeit auf St. Chrischona. So war es nur natürlich, dass er eine führende Rolle übernahm. 1913 fasste er die verschiedenen christlichen Vereine zusammen und gründete den „Verein für christliche Evangelisation und Gemeinschaftspflege“ – der erste Name unserer Gemeinde. Im Vorstand, dem Komitee, waren Vertreter der beteiligten Vereine. Die alte pietistische Tradition wurde immer noch weitergeführt. Die Gemeinschaftsleute waren Mitglieder der Landeskirche und besuchten darüber hinaus die Anlässe der Gemeinschaft.

Im gleichen Jahr setzte Vetter ein seit langem vorhandenes Bedürfnis der christlichen Vereine um: er plante mit dem Architekten Otto Wenk (damaliger Gemeindepräsident von Riehen) das „Vereinshaus“. Sein Schwiegervater, Lehrer Baumann, hatte schon früher mit der Sammlung für einen Baufonds begonnen. Am 8. März 1914 wurde das neue Gotteshaus eingeweiht. Zu den oben erwähnten Vereinen kamen im Laufe der Zeit noch weitere Nutzer hinzu: Jugendbund, Jungschar, Posaunenchor, Vereinshauschor, Arbeitsverein.

Vetter starb im Dezember 1918, nach menschlichem Ermessen viel zu früh, an den Folgen einer Tuberkulose.

Während den nächsten 20 Jahren lag die geistliche Betreuung in den Händen verschiedenster Glaubensbrüder aus Basel, der badischen Nachbarschaft, Dozenten und Seminaristen von St. Chrischona und Mitgliedern der Gemeinschaft. Das Kunterbunt der verschiedenen Vereine und die fehlende Konstanz in der Verkündigung stellte das Komitee und die Gemeinschaft immer wieder vor Probleme. Es wuchs das Bedürfnis nach einem vollamtlichen Prediger. So gelangte das Komitee mit dieser Bitte an die Leitung der Pilgermission. 1938 wurde Emil Müller der Gemeinschaft zugeteilt und nach seiner Pensionierung 1946 Hans Denzler. Er diente bis 1950. An einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung beschloss die Gemeinschaft, wieder zur Form vor 1938 zurückzukehren.

Die folgenden 41 Jahre hielten wieder Prediger aus der Nachbarschaft, Dozenten, Seminaristen und Laienbrüder Predigtdienste.

 

Von der Gemeinschaft zur Gemeinde

Die 1913 beschlossenen Statuten bestanden 50 Jahre! 1963 gab sich der Verein freikirchliche Strukturen und änderte den Namen in „Freie Evangelische Gemeinschaft Riehen“. Im gleichen Jahr erfuhr auch das Vereinshaus eine umfassende Renovation. Von nun an wurden an zwei Sonntagen pro Monat Morgengottesdienste angeboten, an den restlichen Sonntagen um 20:00 Uhr (vorher wurden am Sonntagnachmittag Predigtversammlungen angeboten). 

Diese Aufteilung sollte den Mitgliedern ermöglichen, immer noch zweimal pro Monat den Gottesdienst in der Dorfkirche zu besuchen. Diese Praxis wurde erst 1991 aufgegeben. Ab 1963 wurde auch mit einer eigenen Klasse der biblische Unterricht aufgenommen und die Jugendarbeit schrittweise ausgebaut.

1984 beschloss die Mitgliederversammlung, eine Gemeindehelferin anzustellen. Sie war vor allem für die Betreuung der Senioren zuständig. Bei den Nachfolgerinnen erweiterte sich der Aufgabenbereich immer mehr in Richtung Jugendarbeit, bis dann voll- oder teilzeitliche Jugendpastoren berufen wurden.

1988 gelangte der Brüderrat wieder an St. Chrischona mit der Bitte um Zuteilung eines Predigers. So diente 1991 bis 1997 Hans Ulrich Reifler.

Nun wuchs auch das Bedürfnis, verbindlich einem Gemeindeverband anzugehören. 

1998 beschloss die Mitgliederversammlung, beim Bund FEG den Antrag um Aufnahme zu stellen. An der Delegiertenkonferenz wurde unserem Antrag zugestimmt. Seit 1998 tragen wir also als neuen, dritten Namen in der Geschichte „Freie Evangelische Gemeinde Riehen“. 

Gegenwart

Ausgelöst durch den im Jahr 2009 abgeschlossenen Neubau eines Begegnungszentrums hat die FEG Riehen in den letzten Jahren einen Entwicklungsprozess begonnen. Um den neuen Möglichkeiten des Neubaus gerecht zu werden und um mit dieser äusseren Veränderung mitzuhalten, wurden Leitbild und Statuten überarbeitet und die Gemeindeleitung neu ausgerichtet.

Grösste Herausforderung ist dabei die Frage, wie die Gemeinde für neu dazu findende Menschen zu einer Heimat werden kann. Als Antwort auf dieses Anliegen ist die im Leitbild verankerte Aufteilung in zwei Lebensräume - Gottesdienste und Kleingruppen - entstanden. Was in den vergangenen Jahrzehnten für viele Mitglieder der Gottesdienst war, verschiebt sich mehr und mehr in die Kleingruppen. Aufgrund vieler neuer Gesichter kann der Gottesdienst nicht mehr der Ort sein, an dem man „sich kennt“ und der wie eine grosse Familie funktioniert. Stattdessen entdecken immer mehr Mitglieder die Möglichkeit, in verbindlichen, kleinen Gruppen tragende Gemeinschaft zu erfahren und entdecken den Gottesdienst als Ort der Begegnung und der Anbetung.

GESCHICHTE

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